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Verlegung der ersten Stolpersteine in Harmuthsachsen durch Herrn Gunter Demnig

Stolpersteine in Harmuthsachsen
Der 25. Januar 2012 war nicht nur für Harmuthsachsen ein ganz besonderer Tag: Zum ersten Mal wurden in einem der Dörfer des Werra-Meißner-Kreises so genannte „Stolpersteine“ für ermordete ehemalige jüdische Einwohner verlegt. Als Dr. Karl Kollmann, der Eschweger Stadtarchivar und regionale Koordinator der Erinnerungsaktion „Stolpersteine“ dies in kleiner Runde am Rande der Veranstaltung wie nebenbei bemerkte, war ihm dabei die innere Bewegung durchaus anzumerken. Der kleine „Förderverein ehemalige Synagoge Harmuthsachsen e.V.“ mit seinen gerade mal 12 eingetragenen Mitgliedern hatte vor Jahren bereits Kontakt mit Gunter Demnig aufgenommen, dessen Name mit diesem Erinnerungs-Kunstwerk untrennbar verbunden ist. Das Waldkappeler Stadtparlament hatte die Idee befürwortet, es wurden Spendenaufrufe gestartet, und als genügend Spenden für zunächst 5, schließlich dann 6 Steine zusammen waren, wurden Harmuthsächser Hauseigentümer um ihr Einverständnis gebeten, auf dem öffentlichen Gehweg vor den betreffenden Häusern diese ganz besonderen Pflastersteine verlegen zu dürfen.
Am öffentlich bekanntgegebenen Treffpunkt am Anger waren am 25. Januar um 16.00 Uhr ziemlich genau 40 Personen erschienen, unter ihnen Bürgermeister R. Adam und seine Frau, einige Waldkappeler Stadtparlamentarier, nahezu alle Mitglieder des Fördervereins, einige Mitglieder vom Aktionsbündnis „bunt statt braun“, Konfirmanden und Konfirmandeneltern aus Harmuthsachsen, Waldkappel und Burghofen, Interessierte aus Harmuthsachsen und umliegenden Orten, - und vor allem auch Zeitzeugen.
Als die Konfirmanden die selbst erarbeiteten Lebensgeschichten von Vater Kurt und Tochter Inge Simon, dem Ehepaar Julian und Jenny Lorge und ihrem jüngsten Kind Heinz vortrugen, nickte Herr Walter Hollstein immer an den entscheidenden Stellen: Er kannte sie alle, und war mit Heinz Lorge in eine Schulklasse gegangen. Auch bei Paula Schiff hat er genickt, aber was ich selbst zu ihrem Leben, zu ihrer Familie und zu dem Foto ihrer Schwester Hertha erzählt habe, das im Ghetto von Warschau aufgenommen und von dort als Ansichtskarte zu den alten Eltern nach Bad Driburg geschickt worden war, war so frisch aus dem Internet recherchiert, dass keine Zeit mehr gewesen war, vorher miteinander darüber zu reden. Ob Paula und Hertha Schiff im Warschauer Ghetto oder in Auschwitz umgekommen sind, ist nicht bekannt, es ist nicht einmal bekannt, warum ihr Aufenthalt im Harmuthsachsen der frühen 1930er Jahre nicht im ordnungsgemäß geführten Melderegister Harmuthsachsens verzeichnet ist, aber alle Zeitzeugen, die an der Entstehung der 2008 erschienenen Dokumentation über die ermordeten Harmuthsächser Juden mitgewirkt haben, wussten selbstverständlich auch von Paula Schiff zu berichten.
Unter den Anwesenden war auch ein Urenkelchen einer Klassenkameradin von Heinz Lorge - im Kinderwagen!
Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen spontan zur Atmosphäre dieses besonderen Nachmittags bei, wofür ich mich im Namen aller Anwesenden herzlich bedanken möchte: Herr Andreas Heine hatte eine Schautafel gebaut und mit Zeitungsausschnitten bestückt. Musiklehrer Stefan Fydrich hatte die Gitarre mitgebracht und stimmte genau die richtigen Lieder an: „Weißt du, wo die Blumen sind“ zu Beginn, und bei „Schalom chaverim“ sangen am Schluss viele mit. Als die Steine verlegt waren, bückte sich jemand und wischte sie mit einem Papiertaschentuch blank. Jemand hatte Blumen mitgebracht, und so sind auf einigen Fotos weiße Tulpen zu sehen.
Die ersten 6 Stolpersteine in Harmuthsachsen sind ein hoffnungsvoller Anfang! Erste Spenden für weitere Steine sind bereits eingegangen. Wenn auch Sie ein Stolperstein-Zeichen setzen möchten, finden Sie hier die Konto-Nr. des „Fördervereins ehemalige  Synagoge Harmuthsachsen“: Kto.Nr. 80 06 27 bei der EKK Kassel, BLZ 52 06 04 10 (Stichwort: Stolperstein)
Das 2008 herausgebrachte Gedenkbuch, in dem das Schicksal der Harmuthsächser Opfer der Schoa dokumentiert wird, ist beim Förderverein bzw. im Ev. Pfarramt Waldkappel für 4 € erhältlich.
Der Förderverein freut sich auch, wenn Sie aktives Mitglied werden wollen. Rufen Sie mich einfach an: Rolf Hocke, Ev. Pfarramt Waldkappel, 1. Vorsitzender des Fördervereins ehem. Synagoge Harmuthsachsen e.V., Kirchplatz 4, 37284 Waldkappel, 05656/382

 

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